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Eurosport-Kommentator Ron Ringguth: »Trotz oder gerade auch wegen RTL sind unsere Einschaltquoten gestiegen«

Bild vergrößernRon Ringguth ist die deutsche Stimme bei Eurosport. (Foto: Peter Trillitzsch)

Er ist die deutsche Stimme bei den Übertragungen der Motorrad-WM auf Eurosport: Ron Ringguth, Journalist und Moderator aus dem ostdeutschen Motorsportort Oschersleben. Eingefleischte Fans beneiden Ron um seinen Job. Er ist seit zwei Jahren bei allen Rennen hautnah am Geschehen dran und kennt die Stars und die Szene bis ins kleinste Detail. Motograndprix.de verriet der stets locker und spaßig wirkende Eurosport-Moderator, was sich hinter den Kulissen des GP-Sports abspielt, warum sein Assistent Lenz Leberkern manchmal die Zeit vergisst und welche böse Erinnerung er an seinem ersten Grand-Prix-Rennen hat.  

Hallo Ron, in gut drei Wochen steht in Jerez der erste Grand-Prix des Jahres auf dem Programm. Bist Du startklar? Vielleicht so etwas wie aufgeregt?

Aufgeregt? Nein. Ich habe das Fahrerkarussel und die Ergebnisse der Tests in der Presse und im Internet verfolgt. Startklar bin ich aber noch nicht. Aber es ist ja auch noch etwas Zeit. Den ersten Kontakt mit der Materie gibt es am kommenden Wochenende beim IRTA-Test in Barcelona. Dirk, Lenz und ich sind Freitag bis Sonntag in Spanien und schnuppern dort wieder Auspuffgase.

Wie in den beiden Jahren zuvor wirst Du sieben Monate lang auf Achse sein und durch die Welt reisen. Bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?

Zwischen den Rennen ist ja noch genug Zeit. Wir dürfen ja zwischendurch nach Haus, im Gegensatz zu vielen Fahrern. Die eilen meist auch zwischen den Rennen von Termin zu Termin. Bei uns ist das o.k. Außerdem ist meine Freundin beruflich auch viel unterwegs und da treffen wir uns gelegentlich sogar bei einem Grand Prix.

Wie gut ist Dein Kontakt zu den Stars der Szene? Wie gut sind Rossi und Co. privat drauf?

Valentino ist jemand, der sich im Fahrerlager meist versteckt. Bei jedem Rennen - und ich betone, bei jedem - ist die Box von Rossi am meisten belagert. Vorn von Kameraleuten, Journalisten und Fotografen. Und am Fahrerlagerausgang warten die Fans auf Autogramme. Da macht er sich also immer dünn. Aber Alex Hofmann, John Hopkins oder Jeremy McWilliams haben wir abends oft in der Redbull-Lounge getroffen. Mit Jeremy hab ich es auch auf der vorletzten IRTA-Party ziemlich krachen lassen. Aber ansonsten hängt man als Journalist eher selten privat mit Fahrern zusammen.

Im Fernsehen wirken die Fahrer und Teammitglieder entspannt und locker. Ist diese Gelassenheit echt. Oder geht es im GP-Geschäft in Wirklichkeit gnadenlos hinter den Kulissen zu?

Also welche "Gelassenheit" hinter den Kulissen herrscht, sahen wir doch zuletzt beim Grand Prix in Doha recht deutlich. Als ich morgens nach der "Straßenreinigungsaktion" ins Fahrerlager kam, wusste ich nach wenigen Schritten, dass da gerade etwas sehr dickes am Brodeln war. Hinter einem Container standen schon die Honda-Bosse und berieten sich. An einer anderen Ecke versammelte sich Yamaha. Also Gelassenheit sieht für mich anders aus. Und auch ohne besondere Vorkommnisse sollte eine gewisse Spannung schon da sein.

Stürze gehören zum Alltag im Motorradsport. Nur die Fahrer selbst wissen, wie schmerzhaft ein Bodenkontakt sein kann. Wie gut kannst Du mit der Kehrseite des Rennsports umgehen?

Gleich in meinem ersten Rennen als Kommentator war der tragische Sturz von Daijiro Kato. Als sie die Bilder von der Bergung zeigten, ahnte ich schon Böses. Später kam ja die schrecklich Nachricht. Also bei den schlimmen Stürzen zucken wir immer zusammen und Dirk Raudies weiß ja mit seinen fast 30 Knochenbrüchen besonders, worum es dabei geht. Wenn ich manchmal die Stories von seinen Verletzungen höre, wird mir ganz anders. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, wir sind beim Rennsport und jeder Pilot weiß, worauf er sich einlässt. Und Bekleidung und Sicherheitsausrüstung sind auch auf einem sehr hohen Protektionsniveau.

An Deiner Seite wird wieder Experte Dirk Raudies sitzen. Übt Ihr vorher Eure Einsätze? Oder redet Ihr nur locker drauf los?

Also wir üben gar nichts. Da ist doch auch gar keine Zeit für. Dirk war schon von Anfang an ein absolut professioneller Partner. Er hat ja auch lange genug beim MDR üben dürfen. Da haben wir uns ganz in Ruhe auf sein schwäbisches "der wo" und ähnliche Sprachverwurschtelungen aus Süddeutschland konzentrieren können. Ist doch besser geworden, oder? Aber ich hab jetzt schon Angst, dass es im Winter dialektische Rückfälle bei ihm gab. Doch ich glaube, auch das bekommen wir locker hin.

Wird Lenz Leberkern auch mit von der Partie sein?

Lenz wird auf jeden Fall mit dabei sein. Das ist auch sehr wichtig. Seine Position war die wichtigste Neubesetzung bei uns. Jetzt sind wir auch unten in der Boxengasse immer mit am Ball. Viele fragen immer, warum er denn nie zu sehen ist. Das liegt daran, dass wir nur Kontrolle über die deutsche Tonleitung haben. Die Bildleitung kommt ja von der Dorna und ist europaweit bei Eurosport identisch. In der Ukraine oder in Schottland, wo man ja Lenz nicht hört, würde man sich also wundern, wenn plötzlich das Gesicht von ihm auftauchen würde. (Sagte ich "wundern" oder "erschrecken"?) Aber wir hoffen, bald auch ein deutsches Fenster beim Grand Prix zu haben.

Wie versteht Ihr Euch privat? Habt Ihr Euch schon mal richtig in die Wolle bekommen?

Ich bin sehr froh, sagen zu können, dass ich selten zwei so angenehme Leute um mich gehabt habe. Wir liegen privat voll auf einer Wellenlänge. Das ist bei dem Job ziemlich wichtig. Schließlich hängen wir uns ja an einem Wochenende doch ziemlich auf der Pelle. Gleiches Hotel, gleicher Leihwagen, gleicher Arbeitsplatz. Wir haben uns aber noch nie gezofft. Auch wenn wir ständig auf Lenz warten müssen, wenn ein paar Gridgirls in der Nähe sind.

Gerüchten zu Folge soll RTL nicht mehr live von den MotoGP-Rennen berichten. Wäre das für Dich ein Grund zum Feiern? Oder hat dieser Sender Eurosport im Vorjahr nicht sogar noch eine höhere Einschaltquote gebracht – ungewollt natürlich?

Ich habe die Gerüchte vom RTL-Ausstieg diese Woche auch gehört. Das ist schade. Schließlich haben die Übertragungen tatsächlich den Sport einer neuen Zuschauergruppe näher gebracht. Insgesamt ist die Popularität gesteigert worden. Und tatsächlich, mit der professionellen Promotion haben sie auch uns genützt. Trotz oder gerade auch wegen RTL sind  unsere Einschaltquoten gestiegen. Wir lagen eher RTL quer im Magen als umgekehrt. Die hätten nämlich gern noch unsere halbe Million Zuschauer dazu gehabt, das haben die Chefs unverblümt gesagt.

Was hat es mit dem neuen MotoMagazin auf sich, das Eurosport demnächst herausgeben wird? Geht es in diesen Heften ausschließlich um den Grand-Prix-Sport?

Eurosport hat sich mit dem Motorsport in den letzten Jahren einen sehr guten Namen gemacht. Und mit diesem Namen soll jetzt auch ein Printmedium platziert werden. Es ist ein Lizenzprodukt, das von einem externen Verlag produziert wird. Das ist also eine Art Experiment von Eurosport und wir sind alle sehr gespannt.

Am Sonntag steigt mit dem MotoGP-BMW-Award der erste Höhepunkt der Saison. Der Trainingsschnellste beim IRTA-Test in Barcelona erhält einen BMW-Sportwagen. Wer ist Dein Favorit?

Ich glaube, Valentino Rossi will am Sonntag gar nicht der Schnellste sein. Er weiß ja kaum noch, wo er die ganzen BMW's parken soll. Aber mal im Ernst. Wenn man die Testzeiten sieht, dann gibt es gleich 5 oder 6 Fahrer, die für Sonntag noch keine Flüge gebucht haben, weil sie ja eventuell mit dem Auto nach Hause fahren müssen. Ich glaub, das wird sehr spannend.

Und in der WM: Wird Yamaha-Star Valentino Rossi seinen Titel verteidigen?

Als Kommentator hoffe ich natürlich, dass die WM in der letzten Kurve beim letzten Rennen entschieden wird. Aber dieser Wunsch wird kaum Realität werden. Und Valentino muss man immer auf der Rechnung haben. Wie ich schon sagte, wenn die Testzeiten nur halbwegs die momentane Situation widerspiegeln, dann wird das eine Hammersaison. Und vielleicht wird ja hier und da doch mal am Ende eine andere Nationalhymne gespielt.

Honda wird vor Scham in den Boden sinken, wenn der Titel zum zweiten Mal an Yamaha geht, oder?

Zumindest würde es sehr viele lange Gesichter geben und in Japan werden sie schon die Schwerter bereit gelegt haben.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mehr über Ron Ringguth: www.ringguth.de

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