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Michael Bartholemy zieht im Kawasaki-Racing-Team die Fäden. (Foto: Motograndprix.de) |
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Das Kawasaki-Team mit Harald Eckl an der Spitze und den Fahrern Shinya Nakano und Alex Hofmann ist in letzter Zeit etwas ins Gerede gekommen. „Die Sache ist von der Presse hoch gebauscht worden“, behauptet Team-Koordinator Michael Bartholemy. Wir sprachen mit dem Belgier über dieses Thema, über eventuelle Personalveränderungen und wie Kawasaki gedenkt, die Lücke zu den Topwerken zu schließen.
Hallo Herr Bartholemy, wir fallen sofort mit der Tür ins Haus und wollen wissen, was dran ist am Zoff im Kawasaki-Team. Man hat den Eindruck, dass nicht mehr alle am gleichen Strang ziehen.
So schlimm, wie es eine gewisse Presse in den letzten Wochen dargestellt hat, ist es nicht. In jeder guten Familie gibt es schon mal Meinungsverschiedenheiten. Das ist im Kawasaki-Team nicht anders. Aber ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass wir uns noch alle ins Gesicht schauen können.
Wird es, wie diese gewisse Presse vermutet, 2006 team-interne Veränderungen geben?
Es wird im Moment viel darüber gesprochen, wie die Zukunft von Kawasaki aussehen soll. Dazu gehört auch, ob das Motorrad zukünftig in Japan statt in Europa weiter entwickelt werden soll. In einigen Wochen werden wir mehr wissen. Was sicher ist, dass vieles in Zukunft in Japan beschlossen werden wird. Dazu gehört nicht nur der Entwicklungsprozess, sondern auch die Teambesetzung. Lassen wir uns also überraschen.
Und wie sieht es 2006 mit der Fahrerbesetzung aus?
Darüber wurde bisher noch nicht gesprochen.
Die italienische Presse meldete, Kawasaki habe Interesse an Max Biaggi. Stimmt das?
Nein, an dieser Meldung ist überhaupt nichts dran.
Was wird aus Alex Hofmann?
Alex ist ein sehr guter Fahrer. Leider klebte ihn in diesem Jahr das Pech an den Händen. Sein Vertrag läuft Ende dieses Jahres aus. Ich bin überzeugt, dass wir über eine Verlängerung reden werden.
Shinya Nakano belegt regelmäßig Top-10-Plätze. Ist mehr drin?
Im Grunde genommen sind wir mit den Ergebnissen unserer beiden Fahrer zufrieden. Man nimmt sich vor den Rennen zwar immer vor, es noch besser als beim letzten Mal zu machen. Wir haben einige Superrennen abgeliefert, zum Beispiel in Jerez oder Shanghai. Einige Male lief es nicht so gut. Das wichtigste für uns in diesem Jahr ist, dass wir ein stabiles Motorrad haben. Es ist in diesem Jahr noch kein Fahrer mit einem Motorschaden ausgefallen.
Der Bridgestone-Reifen ist den Michelins weiter unterlegen, oder?
Es hat den Anschein. Im letzten Jahr konnte Bridgestone den Michelins in einigen Rennen die Stirn bieten. Michelin hat im Winter die Entwicklung erfolgreich vorangetrieben, weshalb der Vorteil wieder etwas größer sein dürfte.
Leistungsmäßig hat Kawasaki zugelegt. Doch das taten auch die anderen Hersteller. Ist es unmöglich, jemals an die großen Marken heranzukommen?
In diesem Jahr werden wir die Lücke zu Yamaha und Honda mit Sicherheit nicht schließen können. Wir werden noch einen oder zwei Schritte nach vorne machen können, doch das werden die großen Hersteller auch. Im Moment ist man im japanischen Werk dabei, einen neuen Motor für 2006 zu entwickeln. Gleichzeitig wird sich auf 2007 konzentriert, wenn nur noch 800 ccm zugelassen sein werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Japan uns konkurrenzfähiges Material liefern wird.
Anderes Thema: Der Fan vermisst die Nähe zu den Piloten. Ins Herz der MotoGP vorzustoßen ist für einen Normalsterblichen fast unmöglich. Wieso gibt sich die GP-Szene so verschlossen?
Das hat vielleicht nur den Anschein. Die Dorna bemüht sich schon, so viele Journalisten und Ehrengäste an die Fahrer heran kommen zu lassen wie möglich. Manchmal landet vielleicht nur die eine oder andere Anfrage bei der falschen Person. Andererseits muss die Dorna darauf achten, dass die Fahrer eine kleine Privatsphäre bewahren.
Dennoch wirkt das Fahrerlager und die Boxengasse auf die Betrachter wie eine geschlossene Anstalt.
Es gibt natürlich einen gewaltigen Unterschied zu den anderen Rennserien. Bei der Superbike-WM sind diese Bereiche für normale Fans zugänglich. Dort ist alles familiärer. Abends herrscht dort noch emsiges Treiben um den Trucks herum und in den Hospitalities. Beim Grand-Prix sind nach 23 Uhr alle in ihren Hotels. Dort ist alles sehr steril.
Valentino Rossi siegt weiter nach Lust und Laune. Was hat dieser Fahrer, was andere nicht haben?
Er ist einfach der Beste. Die 22 Fahrer, die in der MotoGP-Klasse fahren, sind alle sehr gute Fahrer. Doch im Moment gibt es keinen, der Rossi schlagen kann.
Wie lange will Rossi noch mit seinen Gegnern spielen? Mit anderen Worten: Wann geht er in Rente?
Ich denke, dass er noch vier Jahre fahren wird.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
Werner Pelzer |